WikiLeaks hat heute ein geheimes Gutachten des amerikanischen Militärgeheimdienstes über Wikileaks vom Februar 2008 geleaked. Der Autor analysierte, was WikiLeaks ist und wo dessen Schwachpunkte liegen. Unterhaltungswert hat das Dokument insoweit, als dass der Schlapphut WikiLeaks Fehlschlüsse ankreidet, selbst jedoch diverse Irrtümer verbreitet. So glaubte man etwa, WikiLeaks habe keine Redaktion usw.
Am meisten fürchtet sich der Geheimdienstmann davor, WikiLeaks könnte als Propagandainstrument zur Desinformation eingesetzt werden, was nun mal Geheimdienste lieber selber machen (lassen). Eine Möglichkeit, WikiLeaks zu bekämpfen, wäre das Outen von Quellen, weil der Schutz von Informanten konstituierend für WikiLeaks sei. Bislang ist jedenfalls derartiges noch nicht gelungen. Auch sonst hat niemand mit Erfolg WikiLeaks in Misskredit bringen können.
Das Dokument ist für WikiLeaks natürlich eine gewisse Trophäe, man will ja schließlich ernst genommen werden. Von den informationstechnischen Fähigkeiten der WikiLeaker zeigen sich die Schlapphüte beeindruckt. Soweit der Autor bezweifelt, WikiLeaks habe Zugang zu Dokumenten des Department of Defense (DoD), wird er durch die Tatsache widerlegt, dass sein eigenes Dokument inzwischen seinen Weg zu WikiLeaks gefunden hat … ;-)
Der gestrige Tatort thematisierte in Anspielung auf das Flugschauunglück in Eisenach 2008 die Vertuschung eines Flugzeugunfalls. „Klarer Pilotenfehler“ hieß es, doch tatsächlich wurde mit Genehmigungen und Fluglizenzen gepfuscht und gemauschelt.
Der Tatort war näher an der Realität, als man es wahr haben möchte. So werden für Flugzeuge offenbar Musterzulassungen erteilt, ohne etwa Sicherheitssysteme überhaupt getestet zu haben. Seit ich seit letztem Herbst zu dem Thema recherchiere, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und immer, wenn ein einer vom Himmel fällt, heißt es „Pilotenfehler“. Insbesondere den Sportpiloten wird eine Sicherheit der Maschinen eingeredet, die tatsächlich jedoch tödliche Lücken aufweist. Letztes Jahr etwa ist ein Ultraleichtflugzeug in der Luft einfach auseinandergefallen. Motoren fallen mal eben aus. Rettungssysteme wie in Ultraleichtflieger eingebaute Fallschirme decken offenbar nur einen Teil der versprochenen Krisensituationen ab. Piloten mit gefälschten Lizenzen fliegen 13 Jahre lang Passagiermaschienen … Hier geht man im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen, was leider die Behörden mit einschließt.
Nachdem ich die Schlagkraft des Web 2.0 an der Finanzindustrie getestet hatte (finanzparasiten.de, handelsvertreter-blog.de), ist mein neuestes Projekt im Bereich Gegeninformation das derzeit im Testbetrieb befindliche absturzblog.de. Es gibt viel zu tun.
Im pittoresken Lüdinghausen im Münsterland, wo die neue Chefredakteurin des ZDF Bettina Schausten herstammt, ist die Welt noch in Ordnung. Quasi, als ob Adenauer noch da wäre. Tiefschwarz, bayrische Verhältnisse. Hier gilt noch das Wort des Priesters, der übrigens auch die Gemeinde-Bibliothek kontrolliert, was mir als Medienjurist ein bisschen aufstößt. Bei dieser Prägung kein Wunder, dass Frau Schausten u.a. katholische Theologie studierte und dem schwarzen Lager zugerechnet wird. Passt zum ZDF, dessen Gründungsintendant immerhin Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab gewesen war.
Als Rechtsreferendar war ich in Lüdinghausen mal für vier Monate ranghöchster Jurist der Stadtverwaltung gewesen. Das war für mich deshalb witzig, weil ich ausgerechnet in diesem Ort 1995 mal irrtümlich von zwei Polizeistreifen wie ein Terrorist am Bahnübergang filmreif festgenommen wurde. Ich hatte mich damals verfahren, doch wachsame Mitbürger hatten geglaubt, ich kundschafte die Gegend aus, um nachts auf Raubzüge zu gehen …
Der Fürstbischof von Lüdinghausen hat mal Münster belagert und Leute mit anderen religiösen Vorstellungen martern lassen. Da gab es mal Stress mit den „Wiedertäufern“, so eine Art Sekte der „Reborn Christs“. War aber lange vor Frau Schausten. Die ARD hat die Story mal an Originalschauplätzen verfilmen lassen, in der Hauptrolle übrigens Christoph Waltz, der gerade einen Oscar eingefahren hat.
Als ich vor einem Monat das informationsbefreite Dummgeschwätz des Piratenkönigs über den Iran kommentierte, sandte mir ein Leser, der gerade auf dem Weg in den Iran war, spontan eine interessante Mail, die ich Ihnen hiermit zugänglich machen darf.
Unglaublich gastfreundlich trotz tw. großer Armut; sehr liberal trotz Repressalien; sehr stolz und sich dem negativen Ansehen in der Welt bewusst – und traurig darüber. Noch heute stehe ich in Email-Kontakt zu Iranerinnen. Von den kulturellen Höchstleistungen ganz zu schweigen: alleine Esfahan hat mehr Kulturgüter als die ganze USA.
Was ich seit meinem allerersten Besuch dort predige: Glaubt nichts, was Ihr jemals über den Iran sehr oder lest – das Gegenteil davon stimmt!
Synagogen werden durch den Staat erhalten. Bewachung – wie in Deutschland leider notwendig – braucht man dort nicht, kein Perser käme auf die Idee ein „Haus Gottes“ zu schänden. Demgemäß gibt es niemanden, der etwas schlechtes gegen Israel oder Juden sagt (wohingegen man bspw. in Syrien schonmal ein „Danke, dass [nicht zitierfähig. MK]“ abbekommt; Araber halt). Juden haben auch garantierte Sitze im Parlament – wie Christen.
Kirchen habe ich selbst genug gesehen, gut erhalten. Die armenische christliche Minderheit ist hoch angesehen und geht ungestört ihrem Glauben nach. Ich konnte auch emaillierte Kreuze u.a. kaufen, in Iran hergestellt.
Auch die Zoroastrier gehen ihrem Glauben nach, die Tempel sind in Besterhaltung und werden u.a. durch Schulklassen besucht. Letzteres konnte ich durch Fotos dokumentieren.
Man kommt langsam nicht mehr umhin zu glauben, dass der amerikanische Kapitalismus, oder das was noch davon übrig ist: Waffen bauen und Öl bohren, sich neue Absatzmärkte sucht.
Dass Ahmadinedschad ein Großmaul ist – geschenkt. Das reicht aber nicht für einen Krieg. Leider wird die Welt aus dem Irakkrieg nicht genug gelernt haben, und der amerikanische Staat noch genug Geld für einen Armee-Bailout.
Der Leser ist inzwischen zurück. Demnächst sein Reisebericht, den ich mit Spannung erwarte. Und hier die Disney-Version für Stefan „Aaron“ König, der die Welt offenbar aus Computer-Spielen kennt.
In Zauberkünstlerkreisen erzählt man sich die meines Wissens nicht verifizierte Anekdote, wie Anfang der 90er Jahre der Star-Illusionist Jonathan Pendragon auf die Absichtserklärung seines Kollegen David Copperfield reagiert haben soll, eine Idee zu übernehmen. Copperfield war begeistert von Pendragons effektvollem Wegziehen eines Tuches bei der durch Houdini bekannt gemachten „Metamorphose-Illusion“. Der Trick bzw. Kniff ließ sich nicht rechtlich schützen. Der Legende nach soll Pendragon seinem Mitbewerber eine gescheuert haben. Fakt ist, dass Copperfield in Fachzeitschriften jedem Magier gegenüber kundtat, dass er Pendragons schöpferische Leistung respektiere und sich freue, von diesem nun die Genehmigung für seine Version der Metamorphosis erhalten zu haben, die bislang unerreicht ist. In Zauber-Business ist es aus verschiedenen Gründen schwierig, Geschäftsgeheimnisse oder ähnliche Kreationen schützen zu lassen. Pendragon beklagte sich häufig etwa in Fachzeitschriften über Ideenklau. An die Qualität seiner Vorführungen kamen außer Lance Burton und Copperfield jedoch keine Mitbewerber wirklich heran. Als vor einem Jahrzehnt ein „Maskierter Magier“ im amerikanischen TV damit anfing mit anderer Leute Trickgeheimnisse zu hausieren, wurde die Angelegenheit auf amerikanisch bereinigt: In Mexiko wurde der als „Valentino“ identifizierte Künstler hopsgenommen und krankenhausreif geschlagen.
Auch besagter Pendragon neigt zu Gewalt: Ein Gericht verurteilte ihn gerade zu einem Jahr Haft, weil er auf seine Frau geschossen hatte (dürfte aber „nur“ ein Warnschuss gewesen sein, denn er ging in den Boden). Im Perforieren hat Pendragon eine gewisse Erfahrung, denn der Magier erlitt vor einiger Zeit einen „Haushaltsunfall“, bei dem er in einen Pfeil stürzte und lebensgefährlich durchbohrt wurde. Normalerweise ist es das Schicksal der Partnerin, von Degen und Pfeilen durchbohrt zu werden. Als wäre das alles nicht schon seltsam genug, so zeigte Pendragon eine als „Interlude“ bekannte Illusion, bei der es um die unmögliche Durchdringung durch Charlotte Pendragon handelte. Die Interlude-Version des Mitbewerbers Copperfield ist besser. Dessen Anwälte übrigens wohl auch … ;-)
Pendragon jedenfalls wird künftig im Knast Zeit haben, sich mit Entfesslungskunst zu befassen …
Das Springerpresse-Organ DIE WELT kommentiert die Barnabas-Affäre selbstentlarvend, demonstrierend, wie provinziell dieses überflüssige Blättchen ist. Wenn man schon den Bogen zu China spannt, sollte man ruhig auch die Parallele zur seltsamen Zensur des Bayrischen Rundfunks ziehen, die sich im Internetzeitalter als Farce ausnimmt.
Wie kommen eigentliche unsere Zeitungen auf das schmale Brett, Iran und China Zensur vorzuwerfen, wenn wir nicht einmal anspruchsvolles politisches Kabarett ungefiltert dem Plebs zumuten wollen? DIE WELT versucht, einen Keil zwischen dem Strauß-Darsteller (Reflex?) und „Barnabas“ daherzuschreiben – doch auch dieser Kabarettist will im kommenden Jahr nicht ohne Lerchenberg derblecken. Michael Lerchenberg ist mein neuer Held!
Gut, dass die DIE WELT die Pressefreiheit hat, ihren reaktionären Stuss zu verbreiten – und gut, dass ich die Freiheit habe, mir solche Ergüsse zu sparen.
Kommentar der Süddeutschen Zeitung, der wohl lesenswertesten Printzeitung überhaupt.
Inzwischen habe ich mir den aktuellen Kinofilm „The Men Who Stare At Goats“ angesehen, zu dem ich eine besondere Beziehung habe. Über das dem Film zugrundeliegende Thema, nämlich die Militärhellseher des amerikanischen Geheimdienstes, hatte ich vor genau drei Jahren meinen ersten Beitrag für Telepolis verfasst. Eigentlich war die Veröffentlichung in Telepolis, das ich bis dahin mit Begeisterung nur las, die Zweitverwertung dieses Artikels, denn ursprünglich stammte der Beitrag aus einer Serie für eine Fachzeitschrift, in welcher ich die Rezeption von Phänomenen untersuchte, welche viele als übersinnlich wahrnehmen. Da ich mich aus Interesse seit Jahren in die Geschichte der Geheimdienste eingelesen hatte, war für mich Telepolis wie geschaffen, mal einen Output für meine spleenigen Themen zu finden. Ohne diese Nachfrage hätte ich nie die Zeit gefunden, etwa so ambitionierte Sachen wie eine Lemnitzer-Biographie zu schreiben – Dinge, von denen ich meine, dass sie geschrieben werden sollten, wenn vielleicht auch von einem helleren Kopf als meinem.
Die damals begonnene Zusammenarbeit mit Telepolis als aktiver Publizist hat mir durchaus geholfen, die Situation von Journalisten besser nachvollziehen zu können. Recherchefehler sind nun mal betriebsbedingt kaum auszuschließen. Mein letzter (und wohl schwächster) Beitrag etwa, der etwas unter Zeitdruck entstand, behandelte einen künstlerischen Jux des Synthesizer-Pioniers Jean Michel Jarre. In einer Randbemerkung adaptierte ich die in der Süddeutschen Zeitung gelesene Behauptung, Jarre sei in Osteuropa aus politischen Gründen verboten gewesen. Sofort erhob sich im Telepolis-Leserforum ein Wehgeschrei ostdeutscher Jean Michel Jarre-Fans, die sich mit Stolz ihres Hörens der JMJ-Kassetten erinnerten. Mein Kommentar wäre „ein Stich ins Herz“ gewesen. Nun wollte ich mir ganz bestimmt keine JMJ-Fans zum Feind machen, doch mein Versuch, beim Jarre-Management Klärung herbeizuführen, blieb bislang unergiebig. Jetzt weiß ich wenigstens, wie sich die BILD-Zeitungsleute fühlen müssen, wenn ihnen der Niggemeier hinterputzt … ;-)