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Rechtsanwalt Markus Kompa – Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Köln
Blog zum Medienrecht


Was Computerspiel-Piraten nicht vom Iran wissen

Als ich vor einem Monat das informationsbefreite Dummgeschwätz des Piratenkönigs über den Iran kommentierte, sandte mir ein Leser, der gerade auf dem Weg in den Iran war, spontan eine interessante Mail, die ich Ihnen hiermit zugänglich machen darf.

Unglaublich gastfreundlich trotz tw. großer Armut; sehr liberal trotz Repressalien; sehr stolz und sich dem negativen Ansehen in der Welt bewusst – und traurig darüber. Noch heute stehe ich in Email-Kontakt zu Iranerinnen. Von den kulturellen Höchstleistungen ganz zu schweigen: alleine Esfahan hat mehr Kulturgüter als die ganze USA.

Was ich seit meinem allerersten Besuch dort predige: Glaubt nichts, was Ihr jemals über den Iran sehr oder lest – das Gegenteil davon stimmt!

Synagogen werden durch den Staat erhalten. Bewachung – wie in Deutschland leider notwendig – braucht man dort nicht, kein Perser käme auf die Idee ein „Haus Gottes“ zu schänden. Demgemäß gibt es niemanden, der etwas schlechtes gegen Israel oder Juden sagt (wohingegen man bspw. in Syrien schonmal ein „Danke, dass [nicht zitierfähig. MK]“ abbekommt; Araber halt). Juden haben auch garantierte Sitze im Parlament – wie Christen.

Kirchen habe ich selbst genug gesehen, gut erhalten. Die armenische christliche Minderheit ist hoch angesehen und geht ungestört ihrem Glauben nach. Ich konnte auch emaillierte Kreuze u.a. kaufen, in Iran hergestellt.

Auch die Zoroastrier gehen ihrem Glauben nach, die Tempel sind in Besterhaltung und werden u.a. durch Schulklassen besucht. Letzteres konnte ich durch Fotos dokumentieren.

Man kommt langsam nicht mehr umhin zu glauben, dass der amerikanische Kapitalismus, oder das was noch davon übrig ist: Waffen bauen und Öl bohren, sich neue Absatzmärkte sucht.

Dass Ahmadinedschad ein Großmaul ist – geschenkt. Das reicht aber nicht für einen Krieg. Leider wird die Welt aus dem Irakkrieg nicht genug gelernt haben, und der amerikanische Staat noch genug Geld für einen Armee-Bailout.

Der Leser ist inzwischen zurück. Demnächst sein Reisebericht, den ich mit Spannung erwarte. Und hier die Disney-Version für Stefan „Aaron“ König, der die Welt offenbar aus Computer-Spielen kennt.

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Autor:
admin
Datum:
14. März 2010 um 11:15
Category:
Allgemein,Medienmanipulation,Politik
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1 Kommentar

  1. Iran 2010 – Informieren uns die Medien zuverlässig? » Rechtsanwalt Markus Kompa

    […] des Iran in unseren Medien unreflektiert wiederkäuen. Ein Blogleser hatte mir einen Bericht über seine Erfahrungen im Iran zugesandt und hatte das Land zwischenzeitlich im März bereist. Freundlicherweise hat er mir seinen […]

    #1 Pingback vom 09. Mai 2010 um 09:49

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