Die Kieler Nachrichten berichten über den Ex-Landrat von Bismarck, der eine Gabriele Kalinka in seiner Autobiografie „Von Pommern nach Plön“ nun wieder erwähnen darf:
Die mündliche Verhandlung vor zwei Wochen hatte – wie berichtet – bereits gezeigt, dass das Kieler Gericht keinen Persönlichkeitsschaden für die Klägerin sieht, wenn ihr Name in dem Buch auftaucht. Unter anderem war es um die Frage gegangen, ob eine Passage, in der behauptet wird, Gabriele Kalinka sei Personalratsvorsitzende gewesen, obwohl sie in Wirklichkeit nur stellvertretende Vorsitzende war, im Buch geschwärzt werden muss. Die Kieler Richterin sah die Verwechslung als „unerheblich“ an, so dass Restbestände des Buches jetzt ungeschwärzt verkauft werden dürfen.
Wie man in Köln den großen Reibach macht, weiß der umtriebige Unternehmer Unternehmer Esch. Nachdem der WDR über die Karstadt-Pleite berichtet hatte, war Esch mit seiner Darstellung nicht glücklich. Doch der WDR hatte solide Arbeit geleistet, der Schuss ging nach hinten los:
Mit einer strafbewehrten Unterlassungserklärung haben sich Esch und Dix zudem verpflichtet, die Behauptung zu unterlassen, im WDR-Film sei als Beleg für eine Geheimvereinbarung zur Aktienmanipulation zum Nachteil der Karstadt Quelle AG eine nachträglich manipulierte Version anstelle des Originaldokuments präsentiert worden.
Zur Frage, wie tendenziös unsere Qualitätsmedien sind, lohnt ein Vergleich der Berichterstattung über den Fall Tauss.
Unstreitig hat er kinderpornographisches Material besessen, streitig, zu welchem Zweck. Unerheblich ist jedoch, welcher Dreck konkret dort zu sehen ist. Solche unappetitlichen Details müssen zwar in einem Strafverfahren protokolliert werden (wenn auch nicht unbedingt in dieser Breite), sie haben aber mit der eigentlichen Problematik des Falles nichts zu tun. Im Gegenteil müssen sich Journalisten, die entsprechende Details kolportieren, fragen lassen, ob sie nicht selbst den Verbalpornographen zugerechnet werden möchten.
Trotzdem meinen der stern und die WELT, ihre Artikel gleich zu Beginn mit entsprechenden Einzelheiten anreichern zu müssen, um den Spin zu setzen. Die WELT-Überschrift scheint von der ebenfalls zur Springerpresse gehörende BILD-Zeitung geliehen zu sein – die allerdings ironischerweise sogar recht fair berichtet! (Die BILD-Zeitung hat allerdings bei Tauss auch etwas gut zu machen …) Der SPIEGEL, der sich im Fall Tauss eher mit zweifelhaftem Ruhm bekleckerte, bleibt sich treu und berichtet von einer „fürchterlichen Anklage“ und einer „blonden Juristin“. Wie gesagt, nicht mal die BILD-Zeitung hatte sich auf dieses Boulevard-Niveau herab begeben. FOCUS verkürzt ein Zitat von Tauss in der Überschrift auf „Herr Tauss im Schweinestall“. Dass der FOCUS es eigentlich auch sachlich kann, hatte er noch gegen Mittag bewiesen.
Die Richter in der Hanseatischen Hafenstadt Hamburg sehen vom Piratenschiff nur noch das Heck: Statt sich etwas vom „fliegenden Gerichtsstand“ anzuhören haben die Piraten den Fliegenden Holländer bestiegen und Anker vor der Ukraine gesetzt!
Da wird die Content-Industrie noch viel lauter „Kinderpornografie“ rufen müssen, bis sie die Internetsperren endlich durchgesetzt kriegt …
Der Kollege Jan Mönikes protokolliert in einem beeindruckenden Aufsatz (pdf) die perfide Demontage des von den Internetsperrern als Bedrohung wahrgenommene Medienpolitikers Jörg Tauss.
(…) Um 16:18 Uhr sind die Ermittler bei der Durchsuchung noch in vollem Gange, da meldet der Nachrichtensender N24 bereits, es wäre „einschlägiges Material“ gefunden worden. Und auch auf SPIEGEL ONLINE ist unverzüglich nachzulesen, was der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Rehring, aus dem fernen Karlsruhe live den Journalisten zu berichten hat: „Wir sind in Berlin fündig geworden“. Als diese Nachrichten in die kleine Wohnung dringen, ist das der vor Ort verantwortlichen Staatsanwältin sichtlich unangenehm. Vergeblich versucht sie nach Protest des Anwalts mit ihrer Behörde in Karlsruhe zu telefonieren, um die weitere Verbreitung voreiliger Nachrichten einzudämmen. Denn die ebenfalls in der Wohnung beschlagnahmten Handys und drei DVD+-R, die Tauss offensichtlich von Sascha H. per Post zugeschickt worden waren und die sogar noch mit dem „Begleitbrief“ in einem Bücherregal standen bzw. in einem Sakko steckten, lassen jedenfalls von außen überhaupt nicht erkennen, dass sich darauf – aber eben auch nur dort – kinderpornographische Inhalte befindet. Die Intervention der Staatsanwältin bleibt ohne Erfolg: Behördensprecher Oberstaatsanwalt Rüdiger Rehring verkündet munter weiter, es sei „einschlägiges Material“ beschlagnahmt worden. (…)
Die zwar mit etlichen Regiefehlern und fadenscheinigen Informationsvorsprüngen behaftete Hinrichtung des bis dahin untadeligen Politikers hat ihre Wirkung auf den Plebs nicht verfehlt: Wann immer ich Zeuge von Diskussionen wurde, in denen der Name „Tauss“ fiel, schalteten selbst mir als sympathisch oder intelligent in Erinnerung gebliebene Zeitgenossen wie Pawlowsche Hunde auf „Hass-Modus“ um, der jegliche Parteinahme oder Beanspruchung von Bürgerrechten ausschloss.
Die Ächtung eines Menschen mit dem Kinderpornographievorwurf dürfte gegenwärtig die zuverlässigste Waffe in Sachen Rufmord darstellen. Dass sich knapp vor der Bundestagswahl gewisse Journalisten – darunter auch solche der angeblichen Qualitätsmedien – um die Statisterie dieser Hatz rissen, wirft Fragen auf. Mit einer gewissen Genugtuung nehme ich zur Kenntnis, dass Mönikes das medienkritische Magazin „Telepolis.de“ als positives Gegenbeispiel erwähnt.
Das „Buch gegen Nazis“ im Kiepenheuer & Witsch Verlag darf vorerst wieder ungeschwärzt vertrieben werden. Man stritt sich über eine Passage betreffend der im rechten Umfeld beliebten Marke „Thor Steinar“.
In der Berufungsverhandlung vor dem OLG Köln wegen einer vom LG Köln zugesprochenen einstweiligen Unterlassungsverfügung hat das klagende Textilunternehmen seinen Antrag zurückgenommen. Jedoch will es in der Hauptsacheklage sein Anliegen weiter verfolgen.
Wolfgang Blau resümiert in der Süddeutschen Zeitung die Position des Journalismus in der inzwischen umfassend konvergierten Medienlandschaft. Das Meiste ist nicht neu, aber gut auf den Punkt gebracht, etwa:
Journalisten preisen ihren Berufstand gerne als die vierte Gewalt und als Wächter der Demokratie. Sollte der Journalismus diese Aufgabe tatsächlich haben, ist es geradezu eine Pflichtverletzung, wenn Journalisten sich nicht darum bemühen, das Netz zu verstehen.
Waren es zunächst die langen Gesichter in Rüttgers Club, welche die Bewahlkämpften für die Dauerbelästigung entschädigten, so könnten sich heute die roten und grünen Parteistrategen in den Hintern beißen, wenn sie auf das den Umständen nach respektable Ergebnis der sechststärksten Partei in NRW schielen. Über 100.000 der überwiegend intellektuellen Wähler hatten sich am Sonntag auf den Weg gemacht, um Haltung gegenüber dem Politbusiness zu zeigen. Diese Wählerstimmen hätten Rot-Grün den lästigen Koalitionspartner Linkspartei erspart.
Angesichts der geringen Wahlbeteiligung haben die „Wahlsieger“ auch nicht wirklich Grund, stolz zu sein. Gegen die Linkspartei kann man sagen, was man will – sie ist jedoch die einzige, welche eine vernünftige Forderung zum seltsamen Krieg in Afghanistan vertritt. Das ist zwar kein NRW-Thema, wurde aber im aktuellen Wahlkampf offensiv eingesetzt. Ob man in Berlin die Signale verstehen wird?
Anyway, ich bin sicher, dass man bei Rot-Grün vor der Baden-Württemberg-Wahl darüber nachdenkt, ob man die Aushöhlung der Bürgerrecht wirklich noch so unkritisch mittragen will.
Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mich mal hinter dem sprichwörtlichen Tapetentisch in der Fußgängerzone einfinden würde, um meine Rübe für eine Partei hinzuhalten. Noch vor einem dreiviertel Jahr hatte ich mich zum Nichtwählen bekannt, weil die etablierten Parteien von den gleichen Lobbyisten gespeist werden und ich diesen Opportunisten keine Legitimation zollen will.
Nunmehr hat sich mit den Piraten ein neuer Player auf der politischen Bühne gemeldet, der zumindest derzeit noch nicht korrumpiert ist. Mit einem minimalen Etat und viel Enthusiasmus wurde den millionenschweren Kampagnen des Polit-Establishments eine Alternative entgegen gesetzt, die nur auf Inhalte zielte und den Wählern auf Plakaten die üblichen Hackfressen der grinsenden Politiker ersparten. Eine Piraten-Crew war eigens aus Berlin an mehreren Wochenenden nach Münster angereist, um uns zu unterstützen!
Meine Erfahrungen im Straßenwahlkampf deckten sich großteils mit Stefan Raabs Erstwähler-Check 2009 . Die Unwissenheit der Leute nimmt erschreckende Ausmaße an. Die Piratenpartei kann sich allerdings rühmen, die intellektuellesten und kritischsten Wähler zu vertreten. Viele Gäste an unserem Stand hatten verstanden, dass sie von den Knalltüten ver****** werden.
Von den anderen Parteien geprägt, die ihre heiße Luft traditionell auch in Gummi abzufüllen pflegen, erwarten die Kids von Wahlständen in erster Linie Luftballons. Da diese uns in Münster gestern ausgingen, recycelten wir zunächst Ballons anderer Parteien mittels Piraten-Aufkleber. Nachschub fanden wir im 1-Euro-Shop, wo es Ballons mit Motiven von „Piraten der Karibik“ gab. Welch Ironie, dass wir ausgerechnet Ballons mit Motiven des Rechteverwerters Disney piratisierten … ;-)
@Disney-Markenanwälte: Denkt gar nicht dran! Wir werden alles bestreiten …
Auch, wenn die 5%-Hürde kaum zu reißen sein wird, haben wir Haltung gezeigt. „Stimme verloren“? Nein, vor den anderen Parteien gerettet! Bei denen ist nämlich die Stimme verloren, weil sie geschändet wird.
Diese Woche war der Spaß-Partei-Guido hier in Münster, wo man eine riesige Halle gemietet hatte (irgendwo müssen die Mövenpickspenden ja hin …). Beim Einlass achtete man auf eine Kleiderordnung. Die Besucher des mobilen Guido konnte man allerdings an der Hand abzählen. Ohne Format ist ein Außenminister und Vizekanzler offensichtlich auch kein Bringer. Die hätten sich doch viel besser ein einem Hotel treffen können …