Piraten im NRW-Wahlkampf

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mich mal hinter dem sprichwörtlichen Tapetentisch in der Fußgängerzone einfinden würde, um meine Rübe für eine Partei hinzuhalten. Noch vor einem dreiviertel Jahr hatte ich mich zum Nichtwählen bekannt, weil die etablierten Parteien von den gleichen Lobbyisten gespeist werden und ich diesen Opportunisten keine Legitimation zollen will.

Nunmehr hat sich mit den Piraten ein neuer Player auf der politischen Bühne gemeldet, der zumindest derzeit noch nicht korrumpiert ist. Mit einem minimalen Etat und viel Enthusiasmus wurde den millionenschweren Kampagnen des Polit-Establishments eine Alternative entgegen gesetzt, die nur auf Inhalte zielte und den Wählern auf Plakaten die üblichen Hackfressen der grinsenden Politiker ersparten. Eine Piraten-Crew war eigens aus Berlin an mehreren Wochenenden nach Münster angereist, um uns zu unterstützen!

Meine Erfahrungen im Straßenwahlkampf deckten sich großteils mit Stefan Raabs Erstwähler-Check 2009 . Die Unwissenheit der Leute nimmt erschreckende Ausmaße an. Die Piratenpartei kann sich allerdings rühmen, die intellektuellesten und kritischsten Wähler zu vertreten. Viele Gäste an unserem Stand hatten verstanden, dass sie von den Knalltüten ver****** werden.

Von den anderen Parteien geprägt, die ihre heiße Luft traditionell auch in Gummi abzufüllen pflegen, erwarten die Kids von Wahlständen in erster Linie Luftballons. Da diese uns in Münster gestern ausgingen, recycelten wir zunächst Ballons anderer Parteien mittels Piraten-Aufkleber. Nachschub fanden wir im 1-Euro-Shop, wo es Ballons mit Motiven von "Piraten der Karibik" gab. Welch Ironie, dass wir ausgerechnet Ballons mit Motiven des Rechteverwerters Disney piratisierten ... ;-)

@Disney-Markenanwälte: Denkt gar nicht dran! Wir werden alles bestreiten ...

Auch, wenn die 5%-Hürde kaum zu reißen sein wird, haben wir Haltung gezeigt. "Stimme verloren"? Nein, vor den anderen Parteien gerettet! Bei denen ist nämlich die Stimme verloren, weil sie geschändet wird.

Diese Woche war der Spaß-Partei-Guido hier in Münster, wo man eine riesige Halle gemietet hatte (irgendwo müssen die Mövenpickspenden ja hin ...). Beim Einlass achtete man auf eine Kleiderordnung. Die Besucher des mobilen Guido konnte man allerdings an der Hand abzählen. Ohne Format ist ein Außenminister und Vizekanzler offensichtlich auch kein Bringer. Die hätten sich doch viel besser ein einem Hotel treffen können ...

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Ursprünglich veröffentlicht unter https://kanzleikompa.de/2010/05/09/piraten-im-nrw-wahlkampf/

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